Warum friert uns, wenn wir aus dem Wasser steigen?

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Viele Menschen haben schon bemerkt, dass sie nach dem Verlassen eines Pools, des Meeres oder sogar der Dusche schnell ein Kältegefühl verspüren. Selbst an heißen Tagen kann dieses Gefühl für einige Augenblicke recht intensiv sein. Dieses Phänomen ist völlig normal und beruht auf der Reaktion des menschlichen Körpers auf Temperaturveränderungen.

Das Kältegefühl beim Verlassen des Wassers hängt direkt mit der Verdunstung von Wasser über die Haut, dem Wärmeverlust des Körpers und den umgebenden Umweltbedingungen zusammen. Unser Körper ist ständig bestrebt, eine stabile Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, und jede Veränderung dieses Gleichgewichts kann Empfindungen wie Hitze oder Kälte hervorrufen.

Um dieses Phänomen besser zu verstehen, ist es wichtig, einige der physikalischen und biologischen Prozesse zu kennen, die im Körper ablaufen, wenn wir ins Wasser gehen und es wieder verlassen.

Körpertemperatur des Menschen

Der menschliche Körper hat eine durchschnittliche Temperatur von etwa 36 bis 37 Grad Celsius. Der Körper arbeitet kontinuierlich daran, diese stabile Temperatur aufrechtzuerhalten, da sie für das ordnungsgemäße Funktionieren der Organe und Systeme unerlässlich ist.

In kalten Umgebungen versucht der Körper, Wärme zu speichern. In heißen Umgebungen versucht er, Wärme abzugeben, um eine Überhitzung zu vermeiden.

Beim Betreten des Wassers, insbesondere wenn es kälter als unsere Körpertemperatur ist, findet ein Wärmeaustausch statt. Das Wasser beginnt, einen Teil der Körperwärme aufzunehmen, wodurch die Hauttemperatur sinkt.

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Das Kältegefühl ist jedoch meist noch viel intensiver, sobald wir aus dem Wasser steigen.

Die Rolle der Wasserverdunstung

Einer der Hauptgründe, warum uns beim Verlassen des Wassers kalt ist, ist der Prozess namens Verdunstung. Wenn die Haut nass ist, verdunstet das Wasser auf ihrer Oberfläche beim Kontakt mit der Luft.

Verdunstung benötigt Wärmeenergie. Diese Energie wird der in der Haut vorhandenen Wärme entzogen. Dadurch sinkt die Hauttemperatur.

Dieser Vorgang ähnelt dem Schwitzen bei körperlicher Aktivität. Der Schweiß verdunstet und trägt zur Kühlung des Körpers bei.

Wenn wir aus dem Wasser kommen, beschleunigt die große Menge an Flüssigkeit auf der Haut diesen Verdunstungsprozess und verstärkt so das Kälteempfinden.

Der Einfluss des Windes

Der Wind kann das Kältegefühl nach dem Verlassen des Wassers deutlich verstärken. Durch die Luftzirkulation um den Körper verdunstet das Wasser auf der Haut schneller.

Je schneller das Wasser verdunstet, desto mehr Wärme wird der Haut entzogen. Dadurch wird das Kälteempfinden noch verstärkt.

Aus diesem Grund empfinden viele Menschen das Meer an einem windigen Tag als viel kälter als einen geschlossenen Raum wie beispielsweise ein Hallenbad.

Der Wind beschleunigt die Abkühlung der Haut und verstärkt das Kälteempfinden.

Wärmeverlust im Wasser

Wasser leitet Wärme deutlich besser als Luft. Das bedeutet, dass es dem Körper Wärme leichter entziehen kann.

Auch wenn sich das Wasser warm oder angenehm anfühlt, ist es in der Regel kälter als die Körpertemperatur. Während wir uns im Wasser aufhalten, verliert der Körper allmählich Wärme.

Im Wasser bemerken wir diesen Wärmeverlust oft nicht so stark. Sobald wir jedoch aus dem Wasser kommen und mit der Luft in Kontakt treten, wird dieser Temperaturunterschied deutlich spürbarer.

Dieser plötzliche Wechsel kann das Kältegefühl verstärken.

Die Reaktion des Körpers auf Kälte

Wenn der Körper merkt, dass er schnell Wärme verliert, aktiviert er einige natürliche Abwehrmechanismen, um seine innere Temperatur aufrechtzuerhalten.

Einer dieser Mechanismen ist der Verengung der Blutgefäße nahe der Haut, Dieser Vorgang wird als Vasokonstriktion bezeichnet. Er verringert die Durchblutung der Körperoberfläche, um die Wärme in den inneren Organen zu erhalten.

Eine weitere häufige Reaktion ist Schüttelfrost. Die kleinen Muskeln, die an den Haarfollikeln in der Haut ansetzen, ziehen sich zusammen und richten so die Haare auf. Obwohl dieser Mechanismus bei Tieren mit dichterer Behaarung effektiver ist, kommt er auch beim Menschen vor.

Bei diesen Reaktionen handelt es sich um Versuche des Körpers, das thermische Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Warum empfinden wir in manchen Situationen Kälte?

Die Intensität des Kältegefühls beim Verlassen des Wassers kann je nach verschiedenen Faktoren erheblich variieren. Dazu gehören:

  • Wassertemperatur
  • Umgebungstemperatur
  • Vorhandensein von Wind
  • Wassermenge in der Haut
  • Zeit, die die Person im Wasser verbrachte

Ist das Wasser zu kalt oder bleibt die Person zu lange darin, kann der Körper mehr Wärme verlieren, was das Kältegefühl beim Herauskommen verstärkt.

In ähnlicher Weise wird dieser Effekt durch Umgebungen mit starken Winden oder niedrigeren Temperaturen noch verstärkt.

Wie man das Kältegefühl reduzieren kann

Es gibt einige einfache Möglichkeiten, das Kältegefühl beim Verlassen des Wassers zu lindern. Eine der effektivsten ist, den Körper schnell mit einem Handtuch abzutrocknen. Durch das Entfernen des Wassers von der Haut wird die Verdunstung verlangsamt.

Ein weiterer Tipp ist, sich so schnell wie möglich trocken anzuziehen. Das hilft, die Körperwärme zu bewahren und den Kontakt zwischen nasser Haut und kalter Luft zu reduzieren.

Es ist außerdem hilfreich, windgeschützte Orte aufzusuchen, da die Luftzirkulation den Wärmeverlust beschleunigt.

Diese Maßnahmen helfen dem Körper, seine normale Temperatur schneller wiederzuerlangen.

Abschluss

Das Kältegefühl beim Verlassen des Wassers entsteht hauptsächlich durch die Verdunstung von Wasser von der Haut und den Wärmeverlust des Körpers an die Umgebung. Verdunstendes Wasser entzieht der Haut Wärme, wodurch ihre Temperatur sinkt und das Kältegefühl entsteht.

Faktoren wie Wind, Umgebungstemperatur und Verweildauer im Wasser beeinflussen ebenfalls die Intensität dieses Effekts. Auch wenn es für einen kurzen Moment unangenehm sein mag, ist dieser Vorgang Teil der natürlichen Körperfunktionen.

Das Verständnis dafür, wie der Körper auf Temperaturveränderungen reagiert, hilft zu erklären, warum uns kalt ist, wenn wir aus dem Wasser steigen, selbst an scheinbar warmen Tagen.

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